Die Finger sind klamm, die Wasserbecken gefroren, der Boden rutschig.
Winter. Eingemummelt wie eine Mumie verrichte ich die Arbeiten im Freilaufstall. Zwischen Mütze und Schal ein Spalt für die Augen. Bei einigen ist das immer so, denke ich. Was für ein Leben. Und was, wenn dieser Spalt noch von einem Gitter überzogen ist. Ein Gefängnis. Lebendig begraben. Den ganzen Tag in einer Gruft. Ich könnte keine Liegeboxen säubern. Wie sollte ich den Unterschied von nassem zu trockenem Stroh erkennen. Aber das würde ich wohl auch nicht, weil das Arbeiten draussen anderen vorbehalten wäre. Eine grausame Vorstellung. Und das geschieht auf diesem selben Erdball, wo mir, trotz Eis und Kälte, ein traumhafter Sonnenaufgang beschieden ist. Gerecht ist das nicht. Dass frau nicht auswählen kann, wo sie geboren wird auch nicht. Bei solchen Gedankenexperimenten beschleicht mich immer eine gewisse Ohnmacht. Ich ziehe die Mütze noch tiefer ins Gesicht. Sie spendet Wärme. Bald kann ich sie weglegen, den Schall zusammen rollen und mich wieder (be)freit fühlen. Was für ein Glück.